Armutsentwicklung in Baden-Württemberg

Am 2. März 2017 hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Gesamtverband seinen Armutsbericht 2017 veröffentlicht. Dieser Bericht weist Baden-Württemberg eine Armutsquote von 11,8 Prozent auf. Das ist eine Steigerung um 0,4 Prozent gegenüber der Auswertung vom Vorjahr. Damit ist Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich auf Rang zwei, hinter Bayern, gerutscht. Regional betrachtet, nimmt das Armutsgefälle im Land zu. Deshalb fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg von der Landesregierung, auch regionale Entwicklungen in den Armuts- und Reichtumsbericht des Landes aufzunehmen und eine entsprechende Infrastrukturpolitik zur Armutsbekämpfung voranzutreiben. In der Region Stuttgart ist die Armutsquote um 0,1 auf 10,9 Prozent gestiegen.

Als einkommensarm wird jede Person gezählt, die mit ihrem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Für einen Single liegt die Grenze bei 942 Euro und für einen Paarhaushalt mit zwei kleinen Kindern bei 1.978 Euro. „Aus Sicht des Paritätischen liegt hier keine Armutsgefährdung vor, sondern es handelt sich um tatsächlich erlebte Armut, weil bei diesen Beträgen eine selbstverständliche Teilhabe an dieser Gesellschaft nicht möglich ist“, sagt Peter Hafner, Mitglied im Aufsichtsrat des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg und Geschäftsführer des gemeinnützigen Trägers der Behindertenhilfe, der Reha-Südwest in Karlsruhe. „Wir erwarten von der Landesregierung ein klares Signal, dass die Berichterstattung zu Armut und Reichtum im Land fortgesetzt und zusammen mit Sozialverbänden konsequent und kontinuierlich an Lösungen zur Armutsbekämpfung gearbeitet wird. So steht es auch im Koalitionsvertrag. Außerdem muss die Risikogruppe der Menschen mit Behinderung, darunter auch eine steigende Zahl von Menschen mit einer psychischen Schwerbehinderung, in die Armutsstatistik des Landes aufgenommen werden. Sie sind häufig und überproportional von Armut bedroht, viele verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 700 Euro“, so Hafner. Allein in Baden-Württemberg leben laut Statistischem Landesamt 929 877 Menschen mit Schwerbehinderung, das sind fast 10 Prozent der Landesbevölkerung.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg fordert eine gerechte Familienpolitik, die gleiche Rechte und gleiche Chancen für alle Familien schafft. „Wir müssen verhindern, dass sich Armut von Generation zu Generation überträgt und diese Familien automatisch schlechtere Lebensbedingungen und ihre Kinder weniger Bildungschancen haben“, so der Verband. Zur Vermeidung von Altersarmut für Menschen mit Behinderung und ihren Familien brauchen wir ein inklusives Bildungssystem und einen inklusiven Arbeitsmarkt.

Im bundesweiten Vergleich variieren die Armutsquoten in Baden-Württemberg insgesamt auf niedrigem Niveau. Trotzdem sind die regionalen Unterschiede signifikant. Die höchste Armutsquote in der Region Rhein-Neckar mit 15,5 Prozent liegt um 52,6 Prozent über der niedrigsten in der Region Bodensee-Oberschwaben mit 9,5 Prozent.

Innerhalb eines Jahres ist die Armutsquote
– in der Region Bodensee-Oberschwaben um 1,4 auf 9,5 Prozent gestiegen,
– im Donau-Iller-Kreis um 0,5 auf 11,0 Prozent gestiegen,
– in Heilbronn-Franken um 0,1 auf 11,8 Prozent gesunken,
– im Kreis Hochrhein-Bodensee um 0,8 auf 10,4 Prozent gestiegen;
– im Kreis Mittlerer Oberrhein um 0,9 auf 12,6 Prozent gestiegen,
– im Kreis Neckar-Alb um 0,4 auf 11,8 Prozent gesunken,
– im Kreis Nordschwarzwald um 0,3 auf 10,9 Prozent gestiegen,
– im Kreis Ostwürttemberg um 0,9 auf 11,5 Prozent gestiegen,
– im Kreis Rhein-Neckar um 0,6 auf 15,5 Prozent gestiegen,
– im Kreis Schwarzwald-Baar-Heuberg um 1,8 auf 9,6 gesunken,
– in Stuttgart um 0,1 auf 10,9 gestiegen
– und im Kreis Südlicher Oberrhein um 1,6 auf 13,6 Prozent gestiegen.

Insgesamt ist die Armutsquote auf Bundesebene bei nahezu allen bekannten Risikogruppen weiter angestiegen:  Alleinerziehende mit einer Quote von 43,8 % – seit 2005 plus 4,5 Prozentpunkte; Erwerbslose (59 %) seit 2005 plus 9,4 Prozentpunkte; Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau (31,5 %) – seit 2005 plus 8,4 Prozentpunkte; inzwischen auch zunehmend: Rentnerinnen und Rentner (15,9 %). Bei folgenden Risikogruppen ist sie gesunken: Familien mit drei und mehr Kindern (25,2 %) – seit 2005 minus 0,6 Prozentpunkte; Ausländer (33,7 %) – seit 2005 minus 1,7 Prozentpunkte; Menschen mit Migrationshintergrund generell (27,7 %) – seit 2005 minus 1,8.

Den Bericht, weitere Infos und eine detaillierte Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie im Internet unter: www.der-paritaetische.de/armutsbericht