Was bedeutet „Armut“?

Was ist eigentlich „Armut“?

Eine Antwort gibt das statistische Bundesamt mit der Statistik zum Jahr 2014,
ebenso der Armutsbericht 2017 des PARITÄTISCHEN und der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Auf unseren Seiten finden Sie auch eine Betrachtung speziell für Baden-Württemberg.

Die Landesregierung von Baden-Württemberg und die Bundesregierung stellen die aktuelle Situation in ihren Berichten dar – siehe unsere Material-Seite zu Armut.

Werfen Sie einen kritischen Blick auf die Lage:
Das zentrale Versprechen der sozialen Marktwirtschaft, wer sich anstrengt und sich bildet, kann auch sozial aufsteigen, wird in Deutschland immer weniger eingelöst, so der Befund des aktuellen Jahresgutachtens des PARITÄTISCHEN (PDF, 12 MB), das im Juni 2017 veröffentlicht wurde.

Armut ist wirtschaftlicher Mangel, der es verhindert,ein angemessenes Leben zu führen.

Nach EU-Definition liegen die Armutsgrenze bei 50%, die Armutsgefährdungsgrenze bei 60% und der gefährdete Lebensstandard (prekäre Wohlstand) bei 70% des statistisch berechneten „Medianeinkommens“ (dies ist sozusagen die „mittlere Zahl“, bei der 50% der Bevölkerung mehr und 50% weniger Einkommen haben).

Das Medianeinkommen pro Person lag im Jahr 2011 in Deutschland bei 19.043 € (Quelle: Statistisches Budnesamt: „Leben in Europa“).

  • Wer als Einzelner mit weniger als der Hälfte davon auskommen muss – also ca. 9.522 € pro Jahr oder 793 € pro Monat – lebt unterhalb der Armutsgrenze.
  • Wer weniger als 60% hat – also ca. 11.426 € pro Jahr oder 952 € pro Monat – lebt an der Armutsgefährdungsgrenze.
  • Wer 70% – also ca. 13.330 € pro Jahr oder 1.111 € pro Monat – zur Verfügung hat, lebt in gefährdetem Lebensstandard (prekärem Wohlstand).

Für Familien gilt dabei die „modifizierte OECD-Skala“. Darin geht der Hauptbezieher des Einkommens mit dem Faktor 1,0 in die Gewichtung ein, die weiteren Mitglieder des Haushaltes im Alter von 14 und mehr Jahren mit 0,5 und alle anderen mit 0,3 in die Berechnung ein.

  • Eltern mit zwei Kindern, 5 und 7 Jahre, (Faktoren 1,0 + 0,5 + 0,3 + 0,3 = 2,1) gelten als armutsgefährdet, wenn ihnen nicht mehr als 1.665 € pro Monat zur Verfügung stehen.
  • Eine Allein Erziehende mit Kindern, 10 und 15 Jahre, (Faktoren 1,0 + 0,5 + 0,3 = 1,8) gilt als armutsgefährdet, wenn ihr nicht mehr als 1.427 € pro Monat zur Verfügung stehen.

Hinzu kommt eine zweite Dimension von Armut: Wer arm ist, muss bei Wohnen und Gesundheit, bei Bildung und Erziehung, bei Freizeit- und Urlaubsgestaltung auf Entscheidendes verzichten, was unsere Lebensqualität ausmacht. Damit einher geht soziale Ausgrenzung. Wer arm ist, verliert schnell gesellschaftliche Anerkennung. Im teuren Heidelberg geht dies noch schneller als in Orten, in denen das Durchschnittseinkommen niedriger ist.